Wieder da!

Ja so ist es, ich bin jetzt seit 3 Wochen wieder in Deutschland und weil ich mir heute abend mal Zeit genommen habe ist mir Uganda in den Sinn gekommen.

Klingt hart und vergessen habe ich Uganda wohl auch nicht. Aber Deutschland hat Uganda erstmal einfach überspült. Wenn die ersten Eindrücke in Uganda fesselnd waren, so waren die ersten Eindrück wieder in Deutschland auch ganz schön fesselnd. Ich fühlte mich, als ob ich Deutschland gerade verlassen habe, nur dass nun eine ganze, große Zukunft zu gestalten ist. Heute Abend nahm ich mir Zeit um ein paar Mails zu schreiben. Unter anderem stieß ich dabei auf den Facebook-Account meines einen Gastbruders. Das hat tatsächlich Sehnsucht hervorgerufen. Nun habe ich auch noch Jolly eine längere Nachricht geschrieben, den würde ich manchmal einfach gerne sehen hier!

Ich merke, dass ich nicht nur wieder da bin, sondern dazwischen ein Jahr weg war und in diesem Jahr emotional etwas durchgemacht habe. Nun bin ich gespannt, was noch auf mich zukommt. Jedenfalls werde ich den Blog jetzt nicht mehr groß weiterführen!

Vielen Dank, für eure Anteilnahme! Jakob

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Hier in Entebbe

Wir sind wieder hier in Entebbe nach einer wunderschönen Zeit im Dorf im Westen Ugandas. Ich fühl mich manchmal auch ganz gut hier, wenn ich mit tollen Schülern Musik mache, wenn ich gute Freunde treffe und mein Luganda nutzen kann. Größtenteils fühle ich mich aber eher wie ein wandelnder Dollarschein, hier in Entebbe. Wieso das so ist? Weil die Zeit in Kadaali, einem Dorf um FortPortal, einfach so wunderbar war. So ganz werde ich es ganz sicher nicht wiedergeben können aber ein paar Bilder und ein paar Wörter können vielleicht schon ein kleinen Eindruck erschaffen:

Rebecca und ich waren schon einmal für 5 Tage da, leider habe ich die Hälfte der Zeit Schnupfen gehabt und im Bett gelegen. Auch sonst haben wir in den Tagen noch recht viel dafür gekämpft, mitarbeiten zu dürfen, nicht nur Gäste zu sein.

Zu behaupten, dass wir bei unserem jetzigen Aufenthalt nichts besonderes waren, ware im Großen und Ganzen zu viel, wir sind immer noch weiß und auch nur für 10 Tage da. Unsere Ankunft war schön, keine überschwängliche, aufgesetzte Freude, ein sehr natürliches Willkommen.

Rebecca und ich durften im Haus von Joab, einem Bruder schlafen, der Waschraum war gleich nebenan, aber ohne fließend Wasser. Strom gibt es ca. 500m runter zur Hauptstraße, wo die Familie einen Laden mit Billardtisch und Computer-, Fernsehraum hat. Gekocht wird in einem kleinen Holz-Lehm Verschlag mit Wellblechdach auf drei Steinen und dünnem Feuerholz, Wasser wird immer mindestens 50m hochgeschleppt. Sämtliche Kinder, 7 an der Zahl, waren oder sind in der Uni.

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In den ersten paar Tagen waren wir mit buddeln. Zwischen Bananen, Zuckerrohr und Yam wird mit Hacken das Unkraut aus der locker-schwarzen Erde auf Haufen getürmt um dann verbrannt zu werden. Leider konnten wir nicht mehr miterleben, wie unsere dortige Gastmutter diese Woche Bohnen und Erdnüsse aus dem Mund spuckend säen wird. Morgens nach Tee mit kalter Kochbanane, verschiedenen Wurzelgemüsen, Brot oder Mais sind wir losgewandert, auf dem Weg jede 3te Person grüßend, bis wir beim Grundstück ankamen. 2 Stunden gebuddelt, ein bisschen Zuckerrohr gekaut, Saft getrunken und Bananen gegessen. Ich durfte in einer Strohhütte trockene Bohnen schlagen um sie zu enthüllen, trockenes Unkraut anzünden und schließlich versuchen einen Bund Matooke auf dem Kopf zu tragen.

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Mit Moses, dem jüngsten, etwa gleichaltrigen Sohn, zurück am Laden wurde dann Billard gespielt und ich habe meine Laptopspenden eingerichtet. Mit den beiden Schwestern wurde gekocht, mit so viel Liebe, Mühe und Geduld. Die wohl schönsten Momente waren in der kleinen Küche bei dem kleinen Feuer zu sitzen und die letzten Soßen zuzubereiten. Vor dem Essen wurde gebetet, es wurde versucht, möglichst die ganze Familie zusammenzukriegen und es gab immer frische Avocados und Bananen bei der sonst fast immer komplett veganen Ernährung.

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Als ich an einem unserer letzten Tage ins Krankenhaus musste und wir kurz davor waren, nach Kampala zu fahren, kamen mir fast die Tränen. Ich fragte mich wieso und ich glaube es war einfach noch zu früh für mich die Familie zu verlassen, ich hatte noch nicht richtig Abschied genommen.

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Mzee Charles, den Vater, der mit Panga bewaffnet seine Kuh zum Weiden gebracht hat und sein riesiges Land untersucht hat oder in die Stadt gegangen ist, um Geld zu machen. Madame Beatrice, die Mutter, die nur die Schulgebühren ihrer Kinder im Kopf hat und alles versucht, um diese aufzutreiben und dabei das größte Lachen hat. Und die ganzen Geschwister die uns so schnell aufgenommen haben und ins Dorf integriert haben, dass wir in dem Moment, in dem wir wieder nach Entebbe gekommen, uns nur noch wie ein wandelnder Dollarschein fühlen.

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The Victorian High School Band 2013

The second term is coming to and end and we are coming from a performance on a wedding, in Olubugo and a small recording-session this term. A new structure, many solo-parts in our songs, gave us the possibility of learning a lot of new music. Our musical level has increased quite a bit, I can happily say.

On 23rd of August, an “Open-Stage” is organized to encourage every student to perform anything he wants, while reports are given out. The band is also going to perform for the last time this term.

The future is now in the hand of some motivated students and I am confident, that they keep up the great project. Because my time in Uganda is almost over, they are going to be practicing and encouraging themselves. If you find out about a possibility for the band to perform and entertain, like on a function of your relatives, inform them. Performances are very important for the band, to sustain their work.

Let us all hope, that the good, enjoyable and encouraging musical life at Victorian High will always remain something important and unique.

If you want to find out more about the band, look for them on Facebook and Youtube.

http://www.youtube.com/watch?v=4mBnRmZ6ui8

http://www.youtube.com/watch?v=gIW1iuRX5YY

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Zwist

Süßen Tee im Nachgeschmack ist gar nicht schlecht und sowieso habe ich mich ganz schön an das Frühstück hier gewöhnt. Das Brot, was mehr Tee aufsaugen kann, als es selber Teig hat, schmeckt mit dem komplett überzuckerten Tee ganz schön gut. Daneben gibt das ganze einem ganz schön Energie und irgendwie einen angenehmen Nachgeschmack.
Gestern abend haben Rebecca und ich mal Pizza gemacht, unserer Vater hat einen Ofen gebaut. Ohne Käse zwar aber mit Oregano und Rebecca und ich habens genossen, wohl mehr als jeder andere. Dazu war die Bude ganz schön voll, ich habe noch Peter eingeladen, der auch für das “Sponsored Students” Projekt arbeiten wird.
Heute fängt meine letzte Woche an! Das klingt unglaublich, ist auch nur halb wahr. Allerdings ist dies meine letzte, richtige Arbeitswoche. Wenn nächste Woche mein Vater kommt, werde ich nur noch einen Tag unterrichten, und dann fangen Examen an meiner Schule an.
Ich bin in einem Zwist gefangen: Ich hatte durchaus Phasen hier, in denen ich ganz schön viel gearbeitet habe. Da waren dann einfach viele Projekte, die ich angefangen hatte und gut machen wollte. So langsam haben sich ein paar Sachen beruhigt oder schon verselbstständigt so dass ich zum Beispiel für den Garten aufhören konnte zu arbeiten. Dass sind sehr angenehme Perspektiven, allerdings habe ich deshalb mehr Zeit. Zu tun gibts genug: Gerade der neue Verein Vuga und die Weiterführung des “Sponsored Students” Projekt reicht aus, um die letzte Zeit zu füllen. Dazu kommen die Laptops, die oft Probleme mit dem Strom oder dem Staub bekommen und immer viel Softwarearbeit versprechen.
Allerdings fühle ich mich oft nicht nach so viel Arbeit. So ist jeder Tag wieder anders, einer hochmotiviert, einer schlurfend dahin gelebt. Ich freu mich auf konkrete Verpflichtungen in Deutschland: Heute habe ich Theorielesung um 10:30, da muss ich sein.
Die Zeit mit Consti, dem Bruder von Rebecca, war schön, auch wenn die beiden viel zu zweit unterwegs waren. Krank nach Hause kommen um dann Mango und Ananas in den Mund gesteckt zu bekommen ist allerdings sehr schön! Ich bin gespannt wie die Zeit mit meinem Vater wird. Ein Bekannter leiht mir ein Boda mit dem wir dann eine Tour machen, wohin ist noch nicht ganz klar!

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Die Ziege

Die Ziege hat bestimmt ein famoses Leben. Hier vor meinem Fenster grast sie gemütlich. Ab und an höre ich ein “Mäh”, hochstwahrscheinlich Ausdruck höchster Zufriedenheit. Neben des Genusses der Sonne, des Grases und des Beobachten des Treibens um sie herum, kann sie sich außerdem auf den Abend freuen. Gemütlich im Stall mit Mama und Geschwistern zusammenkuscheln, sich gemeinsam über den Tag austauschen und über die armen Menschen reden, die immerzu umhereilen.
Vielleicht beneidet die junge, idealistische Ziege insgeheim dieses Leben jedoch. Den ganzen Tag eine Kreis von einem 3 Meter großen Radius nicht verlassen zu können, keine anderen Ziegen kennen lernen zu dürfen, mähen diese doch so schön auf der anderen Seite der Straße. Jeden morgen sieht sie, wie die Kinder gemeinsam das Haus verlassen und erst nachmittags, ausgelassen lachend, zurückkommen.
So beneidet die Ziege den Menschen und ich manchmal die Ziege. Aber trotzdem bin ich mir sicher, dass gerade für jemanden, der die Wahl hat, ein Leben mit Pflichten und Verantwortungen, zufrieden stellender ist. Komisch, dass ich das Gefühl habe, als Freiwilliger so viel mehr Pflichten und Verantwortungen zu haben, als ich das als Schüler in Deutschland hatte. Aber da spielt mir meine Wahrnehmung wahrscheinlich einen Streich: Pflichten, die man sich selbst auferlegt, wiegen schwerer als welche, die einem nur auferlegt worden sind.

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Dorfleben

 

Die Schule hat wieder angefangen und es gab diese Woche keine einzige Computerstunde, Stromausfall. Aber alles gar nicht so schlimm, obwohl es eigentlich sehr ärgerlich ist, weil mir wahrscheinlich nur noch rund 6 Stunden pro Klasse übrig bleiben, was heißt, dass jeder Schüler ca. 1,5 mal noch am Computer sein kann. Wichtig ist also dass ich die Nachhaltigkeit fördere, aber über meine ganzen Arbeiten solltet ihr meine Monatsberichte lesen. Dass sind die Berichte, die ich an meine Entsendeorganisation sende, wo ich also meine Arbeit ausführlich beschreibe.

Vor allem will ich heute über meine letzte Woche in den Ferien berrichten. Die habe ich nämlich in Fort Portal verbracht, im Heimatdorf von Arthur. Dort durften Rebecca und ich im Haus von Joab, dem ältesten Bruder, schlafen und haben hauptsächlich nur versucht, uns ins Familienleben zu integrieren.

Es war wohl zu Anfang für alle eine recht abstruse Situation, zwei Weiße die plötzlich eine Woche wohnen, wo sonst wohl höchstens einmal im Jahr ein weißer Tourist im Jeep vorbeifährt. Unsere anfängliche Schwierigkeit war es auf jeden Fall, von den Familienmitgliedern nicht als besondere Gäste behandelt zu werden. Am ersten Morgen wurde uns Brot gekauft, wobei der Rest der Familie morgens schon gekochte Banane mit Bohnen oder anderem Gemüse isst, wurden von  Joab auch oft eingeladen, Ausflüge zu machen. Rebecca und ich haben immer wieder versucht klarzumachen, dass wir einfach mit ihnen leben wollen, gar nichts besonderes sein wollen. Wir haben also immer viel Geschirr gespült und geschnippelt und gerade Rebecca hat sich aber sehr schnell mit der ältesten Schwester, Peace, angefreundet, die hauptverantwortlich für die Küche war, sodass Peace und Rebecca angefangen haben, zusammen zu ernten, einzukaufen und zu kochen. Ich wurde für 2 Tage krank, was für mich viel schöne Zeit mit ihnen genommen hat, aber anscheinend mal nötig war.

Am letzten Tag hat es sich dann wirklich so angefühlt, als ob kaum noch jemand richtig bemerkt, dass wir weiß sind. Arthur kam dann noch zu Besuch aus Ssese, was eher zufällig auf unsere Zeit in Fort traf. Die ganze Familie ist dann noch zu einer Graduation-Party gegangen, wo uns dann nochmal ein Mzunguschock getroffen hat. In ganz normaler Straßenkleidung, zwischen aufgebrezelten Ugandern, wollte Arthur, dass wir ein Foto mit der Absolventin machen sollten, die wir gar nicht kannten. Schrecklich, so schnell fiel mir wieder meine Hautfarbe ein.

Nichts desto trotz freuen wir uns wahnsinnig auf den August, wo wir uns 3 Wochen nehmen wollen, in denen wir nocheinmal das Dorfleben kosten können. Früh morgens buddeln gehen, Tee und Kochbanane, Lunch vorbereiten, essen, Mittagsschlaf, ein bisschen buddeln, Abendbrot und lange quatschen, im besten Falle mit Ananaswein!

Tja, in Deutschland funktioniert das nicht, da spricht die Haftpflicht-, Brandschutz-, Lebensversicherung und die Rente eindeutig dagegen. Und der Winter auch!

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Von Uganda lernen

Noch 4 Monate Ugander sein, der Flug ist gebucht. Sonst hänge ich hier noch in den Ferien und habe viel mit Kuhscheiße und Gemütlichkeit zu kämpfen.

Der Schulgarten hat wirklich gezeigt, dass keinerlei Nährstoffe in einem zu großen Teil vorhanden sind, einfach nur steinharter Lehm-, Torfboden. Das fülle ich jetzt mit Kuhdung aus der Nachbarschaft auf und Samstag kommt eine ganze Lasterladung Muttererde, für 15,- €.

Über das Geld vom Benefizkonzert konnte ich ja die Regenrinnen bezahlen. Die sind auch schon da und fast fertig angeschlossen. Der Klempner ist sehr zuverlässig und kompetent. Ganz im Gegensatz dazu der Bauarbeiter an der Queens. Seit November ist dieses Sportfeld in Arbeit und es geht nicht voran. Morgen muss ich ein letztes Ultimatum stellen, sonst ist aus und er hat Schulden bei meiner Direktorin, die ihn zu früh bezahlt hat.

Das Uganda ein warmes, gemütliches Land ist, ist ja wohl ein glücklicher Umstand. Wieso sollte man sich ein schönes Leben durch Projekte, Idealismus und harte, überflüssige Arbeit zerstören? Nur wegen Bildung, Gesundheit und Wirtschaft?

Ich habe mich entschieden, mir auch die Zeit zu nehmen, diese Art von Leben auch mitzunehmen. Wahnsinnig viel habe ich hier bestimmt schon gelernt, ich glaube aber dass man in diesem Land ein Leben leben kann, dass in Deutschland nicht möglich wäre: Neben meinen sonst oft ganz ausgefüllten Tagen, bin ich in dieser Woche auch 1-2mal morgens einfach zu Hause geblieben, weil es geregnet hat. Am Sonntag setzen Rebecca und ich noch eins oben drauf: Wir fahren nach Fort Portal und wohnen bei Joab, Arthur und Lucy im Dorf, wo es hoffentlich nicht viel mehr zu tun gibt als Kochen, Waschen und Buddeln. Viel träumen, lesen und Musik schreiben ist dann angesagt. Und man staunt, wie schwer es ist, von der durchstrukturierten Lebensweise komplett loszulassen. Selbst ein Urlaub verläuft meist nach mehr Struktur, als man das denkt!

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